Vergangenen Donnerstag war wieder ein Kinobesuch fällig. Der Film war „Watchmen“ und aufgrund einer filmstarts.de Bewertung von 9/10 ging ich auch mit entsprechenden Erwartungen hinein. Das Comic war mir leider kein Begriff und auch vom Trailer her hat mich der Film eigentlich nicht besonders angesprochen.
Der Film spielt auf jeden Fall in einer alternativen Realität, wo Nixon in den 80iger Jahren noch Präsident ist und die Amerikaner den Vietnamkrieg gewonnen haben. Amerika und Russland sind bis auf den Zahn bewaffnet und es fehlt nur noch ein Funke, welche den atomaren Super GAU auslöst. Die Watchmen, eine Gruppierung von Superhelden ohne wirkliche Supermächte wurden von Präsident Nixon in den Ruhestand geschickt.

Watchmen vor ihrer Deaktivierung
Die Watchmen bestehen dabei aus dem Comedian. Ein älterer, brutaler, betrunkener Anti Held, der immer ein Lächeln auf seinem Gesicht hat und vor nichts zurückschreckt. Ein weiteres düsteres Mitglied ist Rorschach, dessen Gesicht von einer Maske bedeckt ist. Er ist psychisch angeknackst und kehrt sich eher weniger um die Menschen und empfindet die Welt als Abschaum. Adrian Veidt hat aus seiner Superhelden Vergangenheit bare Münze gemacht und verkauft u.a. Spielfiguren seiner selbst und hat sich ein erfolgreiches Unternehmen aufgebaut. Night Owl II und Silk Specre II sind die einzig „normalen“, welche beide ihrer Superheldenvergangenheit nachtrauern und sich in ihrem normalen Leben eher langweiligen. Ergänzt wird die Crew durch den allmächtigen Dr. Manhattan. Bei einem schief gelaufenden Experiment erlangte er als einziger Held wirkliche Superkräfte und wird nahezu gottgleich dargestellt. So kann er durch Zeit und Raum wandeln wie er lustig ist. Allerdings hat er sich aufgrund seiner nahezu unendlichen Macht von der Gesellschaft immer weiter abgewandt und kümmert sich kaum noch um irdische Belange.

Die Watchmen
Nun kommt es dazu, dass der Comedian von einer mysteriösen Person umgebracht wird. Rorschach vermutet daraufhin direkt ein Angriff auf die inaktiven Watchmen und leitet deren Reaktivierung ein. Der Film beginnt dann erst nach etlichem Vorgeplänkel an Fahrt aufzunehmen.
Das Setting ist auf jeden Fall wundervoll getroffen. Die Umwelt der Superhelden, die Menschen etc. wird richtig dreckig, korrupt, egoistisch dargestellt. Die Welt steuert auf eine Dystopia zu. Entsprechend sind auch die Bilder meist trostlos, meist dunkel und schlechtes Wetter. Das Setting lässt einen tief in die Comicwelt eintauchen und auch die Gedankengänge der Charaktere nachvollziehen.

Silk Spectre II
Die Charaktere sind vielfältig und sehr interessant. Sie machen für mich den großen Pluspunkt des Films aus. Ähnlich wie in „Spiderman 3″ oder „The Dark Knight“ werden die Helden nicht als perfekt und ideal dargestellt sondern als Mörder, Vergewaltiger, egoistisch und geldgeil. Sie haben sich ihrer dreckigen Umwelt angepasst. Das macht den Film um einiges interessanter als einen 0815 Superheldenfilm. Die Charaktere sind schön ausgearbeitet und man bekommt zahlreiche Hintergründe ausführlich dargelegt. Die schauspierische Leistung erbringt natürlich auch ihren Teil. Der gesamte Cast ist gut gewählt und spielt seine Rolle sehr glaubhaft. Rorschach, als Erzähler, ist vielleicht noch hervorzuheben, da sein Charakter mit am interessantesten und zwiegespaltesten ist.
Einzig alleine der Plot hat mich nicht wirklich vom Hocker gehauen. Es wurde zu Beginn viel Augemerk auf die Charakterausarbeitung gelegt, was den Film auch durchaus interessant macht. Aber die eigentliche Story kommt zunächst wenig voran und am Ende erhöht sich das Tempo auf einmal enorm. Der gesamte Vorgang, welcher zur Reaktivierung der Watchmen führt ist teilweise etwas langggezogen und auch ein wenig zu romantisiert. Bei ~160 Minuten darf man sich aber auch die eine oder andere Länge erlauben.
Weitere Pluspunkte ist die teilweise aufblitzende Selbstironie und Satire im Film. (z.B. Nixon’s Nase) Außerdem nimmt der Film kein Blatt vor dem Mund. Es werden nackte Körper und brutale „Menschenexplosionen“ gezeigt, wo man sich durchaus wundert, dass der Film eine Freigabe ab 16 Jahren bekommen hat.
Insgesamt hinterlässt „Watchmen“ bei mir einen ganz guten, wenn auch nicht überragenden Eindruck. Die Comicwelt ist wirklich gut dargestellt, die Chraktere machen den Film aus und lassen den Plot allerdings ein wenig in den Hintergrund rücken auch wenn der Twist am Ende die Sache durchaus wieder spannend macht. Aber die ganzen Kleinigkeiten machen den Film zu einem durchaus unterhaltsamen Kinoerlebnis, weshalb der Film von mir glatte 8/10 bekommt.




