Ich lese generell eher wenige Bücher. Dabei weiß ich gar nicht warum ich sowenig lese, denn lesen macht mir eigentlich recht viel Spaß. Besonders Abends zum einschlafen lese ich gerne noch ein wenig. Für mich ist das auf jeden eindeutig befriedigender als noch ein bisschen Fernsehen zu gucken. Dennoch beschränkt sich meine Anzahl von Büchern pro Jahr auf maximal zwei. Ich habe die komplette Harry Potter Reihe verschlungen, alle Bücher von Dan Brown gelesen und ab und an mal einen Roman von Grisham oder was von meiner Schwester gelesen. Neulich hat sich meine Mama dann aufgrund eines Tipps das Buch „Die Päpstin“ gekauft.
Da sie es gerne in ihrem Winterurlaub lesen möchte, habe ich es mir schon vorher zur Gemüte geführt. Wie gesagt bin ich eigentlich ein recht begeisterter Leser und es gab bislang kein Buch, was mich nicht gefesselt hat oder was nicht spannend war. „Die Päpstin“ jedoch gehört nicht zu der Kategorie Bücher, welche ich mag.
Eigentlich kennt man die Geschichte von Johanna schon. Eine Frau, die sich als Mann verkleidet innerhalb der Kirche hocharbeitet und schließlich zur Päpstin wird und anschließend bei einer Totgeburt stirbt. Somit ist direkt jede Spannung, die normalerweise in einem Buch aufgebaut wird dahin, denn man kennt das Ende ja bereits. Von daher betrug der Spannungsgrad bei mir Null. Für mich war das Buch zwar interessant aber in keinster Weise fesselnd. Das erkennt man schon daran, dass ich bücher ab einer bestimmten Seitenanzahl einfach verschlinge und innerhalb kürzester Zeit durchlese wenn es spannend wird, bei „Die Päpstin“ war es nicht so und es hat sich lang gezogen und ich hab mich schwer getan.
Dabei hat das Buch durchaus seine positiven Aspekte. Zum einen wird der Zustand der damaligen Zeit sehr treffend beschrieben. Die historischen Details und Kleinigkeiten werden präzise beschrieben und man bekommt eine exakte Vorstellung vom damaligen Leben, insbesondere natürlich über die Rechte und Aufgaben einer Frau. Hier hat der Author wirklich überzeugende Arbeit geleistet und mich bei Laune gehalten. Auch die ganzen Intrigen etc. am Hofe des Papstes wurden anschaulich dargestellt und es wurde nie richtig kompliziert, sondern einfach und sachlich dargestellt.
Dennoch ist dieses Buch für mich kein wirklicher Roman, sondern eher ein Sachbuch. Eine geschriebene Aneinanderreihung geschichtlicher Tatsachen. Zwar wurde einiges hinzugedichtet und einiges zeitlich verschoben aber im Grunde genommen hält sich das Buch strikt an den Erzählungen und an den Tatsachen, die man eigentlich schon weiß. So war für mich das Nachwort des Authors am Interessantesten. Dort schrieb er darüber, inwiefern sich die tatsächliche Existenz Johannas beweisen und wiederlegen ließe und was er hinzugedichtet hat und was nicht.
Zusammengenommen hat der Autor ein Buch abgeliefert, was in keinster Weise wirklich spannend war aber trotzdem aufgrund der geschichtlichen Details und seiner Beschreibungen der damaligen Zeit und der Rolle der Frau durchaus interessant zu lesen ist. Als Schulnote würde ich dem Buch glatt ein „Ausreichend“ verpassen.
Trotzdem hat mich das Buch zum Nachdenke angeregt. Und zwar gibt es trotz unserem aufgeklärten Zeitalters einfach viel zu viele historische Geheimnisse. Man möge sich gar nicht vorstellen, welche Geheimnisse und Schriften die katholische Kirche in der Bibliothek im Vatikan verstaut hat. Nachdem sich mittlerweile jeder Mensch selber seine Gedanken machen kann, finde ich es an der Zeit, dass z.B. die katholische Kirche die Schriften über Johanna freigibt. Wen kümmert es heutzutage noch, dass vor zig Jahren es mal eine Päpstin gab? Dem Ruf der Kirche wird das auf keinen Fall mehr schaden, er ist sowieso schon ziemlich ramponiert. Meiner Meinung nach haben wir ein Anrecht auf das Wissen, was der Vatikan quasi vor uns zurückhält. Selbiges gilbt z.B. auch über Staatsgeheimnisse z.B. von den USA. Natürlich wäre es prekär aktuelle Geheimnisse offenzulegen aber Sachen, die schon vor hundert Jahren passiert sind, kann man mittlerweile doch getrost veröffentlichen. Interessant und historisch relevant sind diese für jeden Menschen.
Allerdings wird es wohl leider nie so kommen. Man muss schon zu den Privilegierten gehören um an so ein Wissen heranzukommen.