Nahezu zwei Wochen ist es her, dass der 17jährige Tim K. an seiner ehemaligen Schule und auf der folgenden Flucht 15 Leute tötete und anschließend selber starb. Das Thema wurde in den Medien bis auf das kleinste Detail aufgedröselt und eigentlich habe ich mich entschlossen nichts zu dem Thema zu schreiben, da jeder Heini jetzt einen 0815 Text zum Thema verfasst.
Jeder spricht drüber, jeder schreibt drüber und jeder gibt seine Meinung dazu hab. Ich hab eher im Stillen an die Opfer gedacht anstatt direkt auf Ursachen, Gründe und wilde Theorien einzugehen. Nun ist dieser Ammoklauf zwei Wochen her und wir spüren immer noch die Nachwehen.
Immernoch wird diskutiert, diskutiert und diskutiert warum Tim K. diese Tat ausgeübt hat. Zum einen wird aufgeführt, dass er psychische Probleme hat und in entsprechender Behandlung war und zudem von Schülern gemobbt wurde und von den beiden arbeitstätigen Eltern wohl vernachlässigt. Zudem ist das Waffenarsenal und die frei zugängliche Waffe des Vaters ein Punkt, welcher den Amooklauf erst möglich gemacht hat.
All diese Faktoren rücken momentan meines Erachtens aber zu Unrecht etwas in den Hintergrund und wie nach jedem Amoklauf eröffnet sich die Killerspieldiskussion. Das ist auch nicht weiter verwunderlich. Letztendlich wäre ein Verbot der Killerspiele die einfachste Möglichkeit um zukünftige Amokläufe zu „verhindern“. Wie soll man denn Mobbing an den Schulen verhindern? Wie soll man herausfinden, dass so ein unscheinbarer Junge einen Amoklauf plant?
Da ist es einfacher die Schuld auf die Spiele zu schieben und diese zu brandmarken. Es ist einfach der einfachste Ausweg aus der Sache aber wird dem Ganzen leider nicht gerecht. Killerspiele als Ursache für einen Amoklauf oder selbst als einen Faktor dafür zu titulieren halte ich für höchst fahrlässig.
Ich selber bin passionierter „Killerspielspieler“ und kann dementsprechend gut verstehen warum diese Spiele eben kein Faktor sind. Im Vordergrund steht nicht das wahllose Töten von Menschen, sondern Strategie, Taktik. Man verfolgt Missionen, Aufträge, Sachen die einen gewissen Sinn haben. Außerdem tötet man keine „Menschen“ sondern lediglich virtuelle Pixel. Auch wenn die Spiele immer realitätsnaher werden ist die Grenze zum Realen hin schon mehr als enorm.
Ich kann es einfach nicht nachvollziehen, dass ein Mensch diese Grenze überschreitet, dass ein Mensch Leute im realen Leben umbringt weil es ihm virtuell Spaß macht. Dazu bedarf es schon psychische Probleme und andere gesellschaftliche Hintergründe, welche bei Tim K. ja anscheinend auch zu Haufe vorhanden waren.
Mittlerweile spielen Millionen Menschen weltweit dieses Spiel. Jedes Mal wenn ein Mord von diesen begangen wird ist die Wahrscheinlichkeit geringer kein solches Spiel auf dessen PC zu finden, da mittlerweile jedes Kind einen PC hat und auch über solche Spiele verfügt. Richtig düster ausgedrückt sind Amokläufe Ausnahmen, welche die Regel bestätigen. Millionen von Menschen können unterscheiden zwischen Realität und Virtualität. Einzelne Menschen scheinbar nicht und dann sollte man sich die Frage stellen warum diese es nicht können. An den Spielen liegt es nicht.
Mittlerweile denken Handelswarenketten darüber nach Spiele ab 18 Jahren aus dem Sortiment zu entfernen. Ein absolut sinnloser Schritt meiner Meinung nach. Zum einen ineffektiv, da man mittlerweile über Internet sowieso an alles herankommt und ein Verbot von Killerspielen keinen Einfluss auf zukünftige Amokläufe hätte.
Man muss sich nur mal selber die Frage stellen. Wäre dieser Amoklauf auch passiert, wenn es keine Killerspiele geben würde? Ganz eindeutig ja! Diese Kinder haben so große Probleme gehabt, waren so verzweifelt, dass es eine Frage der Zeit war bis sich ihre Agggression entlädt.
Fasst man alles zusammen kann ich nur feststellen, dass es keine „Universallösung“ zum Thema Amoklauf gibt. Die Ursachen für Amokläufe sind zu individuell und psychisch bedingt. Kein Mensch kann hervor ahnen, dass ein Kind solche Tendenzen hat. Höchstens die Eltern können soetwas mitbekommen und daher sehe ich auch eine große Verantwortung bei ihnen. Sie können selber entscheiden ob ein Kind solche Spiele spielen sollte, ob es gemobbt wird und dergleichen und entsprechende Schritte unternehmen, welche im Fall von Tim K. ausgelassen wurden.
Die Gesellschaft sollte aber aufhören einen unschuldigen Sündenbock herauszupicken und alles auf ihn abzumünzen nur weil es die simpelste Lösung ist und man nicht darauf klar kommt, dass solche Sachen nun mal nahezu unvermeidbar sind und sich eigentlich jeder an die eigene Nase packen müsste und auf seine Kinder aufpassen sollte.
Aktuell wurde bekannt gegeben, dass das Intel Friday Night Game, ein eSport Event mit den Disziplinen Counter Strike 1.6 und Counter Strike Source abgesagt wurde. Das Event sollte am Freitag in der Stuttgarter Liedhalle stattfinden. Ich gratuliere hiermit den Politikern zum zerstören eines kleinen Jungendkultes. Für die Allgemeinheit mag es vertretbar sein, dass nur 15km vom Tatort keine Killerspiele gespielt werden sollten. Aber das eine hat mit dem anderen absolut nichts zu tun und daher halte ich es einfach für banal. Das eine Woche später nach dem Amoklauf eine große Waffenmesse in Nürnberg stattfand, interessiert keinen.